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Alltags-"Blog": Oktober 2008

Alltag:
19. Oktober 27. Oktober

Koptisch:
14. Oktober 19. Oktober 21. Oktober 22. Oktober 28. Oktober 29. Oktober



Alltag

Montag, den 27. Oktober 2008

Heute fand die feierliche Eröffnung des "Papyrus Portals" statt. Hierzu wurde über die "Papy-List", einer Mailing-Liste für Papyrologen, folgende Mitteilung gesendet:

Liebe Kollegen,

hiermit geben wir den Start des ‚Papyrus Portals' (http://www.papyrusportal.de) bekannt.

Das 'Papyrus Portal' ist ein Projekt, das dem Nutzer eine effiziente und effektive Suche durch alle digitalisierten und elektronisch katalogisierten Papyrussammlungen Deutschlands und eine einheitliche Präsentation der Suchergebnisse mit den wichtigsten Informationen zu einem Papyrus ermöglicht. Außerdem wird auf die umfangreicheren und detaillierten Daten der Originaldatenbanken verlinkt. Die inhaltlichen und informationstechnologischen Unterschiede in den einzelnen Datenbanken auszugleichen, ist eine wesentliche Aufgabe des 'Papyrus Portals'. Dafür wurden ein Standard für die Erschließungskategorien und Festlegungen für Metadaten geschaffen. Unter Verwendung der Open Source Software 'MyCoRe' und aufbauend auf den Erfahrungen im 'Papyrusprojekt Halle-Jena-Leipzig' (http://papyri.uni-leipzig.de) fand der Aufbau des 'Papyrus Portal' mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft statt.

Wir laden alle ein, sich am ‚Papyrus Portal' zu beteiligen. Eine ausführliche Dokumentation der Funktionsweise des ‚Papyrus Portals' finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Freitag
Marius Gerhardt
Jens Kupferschmidt
Reinhold Scholl

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Sonntag, 19. Oktober 2008

Der Alltag eines Wissenschaftlers respektive eines Papyrologen kann manchmal ganz schön spannend sein. Zwar muß ein Papyrologe, sofern er nicht genug verdient, um sich eine Reinigungskraft zu leisten, auch seinen Alltag und v.a. den Haushalt bewältigen, aber davon soll dieser Blog natürlich nicht handeln.

Eher sollen hier kleine Kuriositäten und Erfolgserlebnisse in loser Folge mitgeteilt werden. Nicht jeden Tag gibt es eine Entdeckung, und nicht jede Entdeckung ist gleich ein Weltereignis. Aber es gibt ab und an Kleinigkeiten, die einfach einen kleinen Einblick in eine andere, längst vergangene Zeit gewähren.

Lassen Sie sich also überraschen, was hier demnächst zu lesen sein wird. Ich werde desgleichen tun...

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Koptisch

Im Wintersemester 2008/09 habe ich mit Koptisch angefangen. Der Unterricht findet im Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig statt. Da es eine gewissen Menge an koptischen Papyri gibt (und davon haben wir auch eine gewisse Menge in der Papyrussammlung), dachte ich, daß es nicht schaden kann, darauf hin zu arbeiten, auch diese Schriftstücke eines Tages verstehen zu können. Diese Art "Blog" ist dazu da, in dieser Zeit meine Erfahrungen beim Koptisch-Lernen mitzuteilen.



Mittwoch, 29. Oktober 2008

Koptisch-Hausaufgaben lassen sich auch gut im Zug nach Dresden anfertigen... ;-)

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Dienstag, 28. Oktober 2008

Heute hatte ich die dritte Koptisch-Stunde. Neben meinem Besuch, der am Samstag ankam und der bis Donnerstag bleibt, fragte ich mich die ganze Zeit, wann ich es denn endlich schaffen würde, meine Hausaufgaben für die heutige Stunde zu erledigen. Letztlich habe ich mich wie damals zu Schulzeiten gefühlt, als ich in der Straßenbahn meine Koptisch-Unterlagen auspackte und anfing, die Übungen zu erledigen. ;-)

Die Koptisch-Stunde war schließlich wieder sehr entspannend: Wir haben heute Possessiv- und Demonstrativpronomina gelernt. Zudem habe ich festgestellt, daß Koptisch einfacher als Mittelägyptisch ist und die griechischen Lehnwörter alle nicht dekliniert werden, sondern ihr Kasus mittels Determinatoren bestimmt wird. Praktisch. Also keine Deklinationen...

Eine andere Sache war, daß ich heute eine Kommilitonin kennengelernt habe, der - obwohl Kunstgeschichtsstudentin - Koptisch (und sogar Akkadisch!) im Wahlbereich zugeteilt worden ist, obwohl diese Sprachen ihren Neigungen nicht wirklich entspricht. Das hängt alles mit dem Bachelor-System zusammen, das manchmal doch ziemliche Verwunderung auslöst, wenn man so etwas hört. Schließlich hatte ich selbst letztes Jahr u.a. Amerikanisten und Musikwissenschaftler in meinem Papyrologie-Kurs. Nun, letztlich konnte ich bei ihnen hoffentlich das Interesse an dem Fach wecken, so daß es ihnen Spaß machte. Ich hoffe, daß die Kommilitonin am Ende dasselbe von Koptisch sagen können wird.

Diese Woche habe ich nun ein paar Tage frei, damit mein Besuch auch etwas von mir hat. Da werde ich wenigstens auch mehr Zeit haben, meine Hausaufgaben zu erledigen - in aller Ruhe und zur Abwechslung an meinem heimischen Schreibtisch.

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Mittwoch, 22. Oktober 2008

Da mich die Sache mit Moses nicht los ließ, habe ich einfach mal bei Wikipedia nachgeschaut, wonach aber auch die Wissenschaftler sich nicht wirklich einig sind, woher der Name denn nun kommt und was er bedeutet. Da wäre meine Überlegung nur eine weitere Alternative. Da ich aber kein Sprachwissenschaftler bin, sollte meine Alternative lediglich als eine "Spielerei" eines Laien angesehen werden.

Trotzdem: Mich würde ein Gespräch mit einem Sprachwissenschaftler in der Richtung wirklich reizen. Wäre bestimmt hochinteressant und lehrreich.

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Dienstag, 21. Oktober 2008

Heute hatte ich die zweite Koptisch-Stunde. Mensch, war ich nervös, weil ich mir die ganzen Vokabeln einfach nur schwer merken kann. Da hilft es auch nicht weiter, mir vorzustellen, ich würde Klingonisch vor mir haben - ja wirklich, manche Wörter klingen wie die fiktive Sprache des kriegerischen Volkes aus Star Trek. Fehlt nur noch das K'pla!

Jedenfalls hatte ich eigentlich überhaupt keinen Grund nervös zu sein, denn alles lief prima. Der Dozent bringt es einem richtig gut bei. Seine angenehm ruhige Stimme gemischt mit einer freundlichen Bestimmtheit wird wohl jedem den Stoff auf eine nette Art und Weise näherbringen können.

Nachdem wir die Hausaufgaben, Lese- und Übersetzungsübungen, durchgegangen sind - mir ist immer noch nicht klar, wann ich "ou" wie "u" und wann wie "w" aussprechen muß; aber ich glaube, bei einigen Sachen sind sich auch die Koptologen unsicher -, haben wir den ersten Grammatik-Teil durchgesprochen. Determinatoren.

Als ich diese Seite mit der Tabelle und dieser merkwürdigen Überschrift ("Funktionales System der Determination") zum ersten Mal sah, konnte ich mir nun gar nichts darunter vorstellen, und alles erschien mir wie Fachchinesisch. Ich gebe zu, ich bin einfach kein Grammatik- bzw. Analysetyp, was Sprachen betrifft. Für mich müssen Sprachen lebendig sein, zu gebrauchen sein (natürlich muß man aber dabei die richtige Grammatik anwenden). Aber ich analysiere nicht meine Sätze, indem ich jedes Wort mit seiner grammatikalische Form benenne, sondern sehe zu, daß sie grammatikalisch richtig sind. Die einzige Ausnahme bei Sprachanalyse betrifft die Etymologie.

So habe ich mich jetzt gefragt, ob das koptische Wort "mo-osche" (sorry, ich war noch zu faul, mir die Unicode-Zeichen für die korrekte Darstellung von koptischen Wörtern raus zu suchen; ich hole es aber demnächst nach, versprochen), also ob das Wort "mo-osche", was "gehen, wandeln" bedeutet, eventuell etwas mit dem Namen "Moses" zu tun haben könnte. Gefragt habe ich dies noch nicht, da ich einfach nicht dazu kam bzw. es auch nicht wirklich zum Unterricht gepaßt hätte. Aber die Frage interessiert mich einfach. Sobald ich also eine Antwort weiß, poste ich es hier.

Doch zurück zur Grammatik. Was ich sagen wollte: Ich wurde also nicht schlau aus dieser Grammatik-Seite. Doch nachdem der Dozent die erste Zeile der Tabelle erklärt hatte, fiel es einem - zumindest mir - wie Schuppen von den Augen, und ich verstand es plötzlich. Den Rest der Zeit, während er den Rest der Tabelle erklärte, versuchte ich sie schon einmal zu memorisieren, denn wenn man erst einmal den Trick raus hat, wie man das alles sehen sollte, wird alles viel einfacher und klarer.

Hausaufgaben haben wir natürlich auch zu machen. Mal schauen, wann ich dazu komme, denn da ich am Wochenende Besuch bekomme, fällt das Wochenende dafür schon einmal weg, und vorher muß ich meinen eigenen Kurs für Freitag vorbereiten und vielleicht auch noch ein paar Haushaltsdinge erledigen. Aber es wird sich bestimmt noch irgendwo ein wenig Zeit finden. Ganz sicher. :-)

Alles in allem war die Koptisch-Stunde sehr entspannend. Nur das Gehetze hin zur Ägyptologie sowie zurück zum Arbeitsplatz ist ein wenig stressig, weil man schließlich so wenig Arbeitszeit wie möglich verlieren will. Aber die Zeit zwischen dem Hin- und Herflitzen ist wenigstens ganz nett. Es ist einfach mal was anderes, wieder auf der Seite der Studenten zu sitzen. Ich genieße es momentan so richtig, weil es eine schöne Abwechslung zum Alltag darstellt.

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Sonntag, 19. Oktober 2008

Ich sitze an meinen Hausaufgaben. Lese- und Übersetzungsübungen. Theoretisch kein Problem. Die Schrift habe ich ziemlich schnell drauf. Schließlich sind es griechische Buchstaben mit sechs Zusatzbuchstaben. Was mir mehr Schwierigkeiten bereitet sind die Kombinationen der Buchstaben: Ich meine, wer kann sich schon Dinge wie "en-n-ete-ouenta-n" (denen-(von denen gilt)wir-haben; ein Element des Vaterunser) merken? Naja. Das liegt wohl daran, daß ich noch nicht alle Bestandteile des Satzes erfassen kann, weil ich mit dem Lernen ganz am Anfang stehe.

Wenn man aber bedenkt, daß es anscheinend hunderte von Wörtern und Konstruktionen im Koptischen gibt, die aus "n"-Lauten und sch/tsch-Lauten bestehen und wahre Zungenbrecher sind, könnte es sich etwas schwieriger gestalten, sich diese Sachen zu merken. Ich glaube, ich sollte mir dringend ein Vokabelheft anlegen...

Eine andere Sache, die mich etwas verwunderte: Bei der Übersetzungsübung muß man sich erst einmal die entsprechenden Vokabeln aus dem alphabetisch geordneten Grundvokabular zusammensuchen. Da gibt es nicht zu jeder Lektion einen Teil mit Vokabeln, die es dazu zu lernen gibt.

Kurz: Ich habe anscheinend noch nie einen Uni-Sprachkurs vorher besucht. Eine Freundin machte mich nämlich darauf aufmerksam, daß dies alles ganz normal sei... Ah ja. ;-)

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Dienstag, 14. Oktober 2008

Heute hatte ich meine erste Koptisch-Stunde. Es ist nicht wirklich einfach, an einem normalen Kurs, den Ägyptologie-Studenten im Laufe ihres Studiums besuchen, als Dozent daran teilzunehmen. Nun, einfach ist es schon: Ich brauchte nicht einmal groß Formalitäten zu erledigen...

Es ist Folgendes: Als Dozent wird man von den Studierenden anscheinend als jemanden gesehen, der schon alles hinter sich hat, nicht mehr lernen muß, weil er schon so viel weiß, erfolgreich sein Studium hinter sich brachte,... Kurzum: Man hat Erfolg bei allem, was man anpackt.

Aber: Dozenten sind auch einfach nur Menschen. Sie waren auch einmal Studenten. Sie wissen vielleicht ein wenig mehr auf ihrem Fachgebiet als die Studenten, die sie unterrichten. Aber wenn es gilt, etwas Neues zu lernen, dann sind sie auf gleichem Niveau wie alle anderen: Anfänger.

Und diese Kombination bringt einen enormen Druck mit sich. Schließlich will man sich nicht blamieren. Man will nicht, daß hinter seinem Rücken die Fehler, die man im Kurs gemacht hat, aufgezählt werden. Das wäre schließlich zu peinlich.

Das ist auch der Grund, warum nur wenige Dozenten sich in normale Kurse für Studenten setzen. Es erfordert einfach Mut. Auch den Mut, Fehler zu machen. Man ist eben auch nur ein Mensch, und es wird nicht immer so sein, daß man immer alles richtig macht oder immer alles kann. Man muß mit dem Lernstoff zurecht kommen wie alle anderen auch. Und manchmal versteht man auch das eine oder andere nicht. Bei anderen Dingen versteht man es hingegen vielleicht besser.

Ich werde also sehen, wie ich mit dem Lernen vorankomme. Einen guten Ansporn habe ich ja: Zwei Studierende, die auch meinen Kurs besuchen...

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