Willkommen!Welcome!Bienvenue!

XAIPETE!

Alltags-"Blog": Juni 2009

Alltag:
12. Juni

Koptisch:
12. Juni 16. Juni 23. Juni 30. Juni



Alltag

Freitag, den 12. Juni 2009

Momentan gibt es nichts Neues aus der Papyrologie zu berichten, da ich zur Zeit im SFB 586 tätig bin.

nach oben



Koptisch

Im Wintersemester 2008/09 habe ich mit Koptisch angefangen. Der Unterricht findet im Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig statt. Da es eine gewissen Menge an koptischen Papyri gibt (und davon haben wir auch eine gewisse Menge in der Papyrussammlung), dachte ich, daß es nicht schaden kann, darauf hin zu arbeiten, auch diese Schriftstücke eines Tages verstehen zu können. Diese Art "Blog" ist dazu da, in dieser Zeit meine Erfahrungen beim Koptisch-Lernen mitzuteilen.



Dienstag, 30. Juni 2009

Der Koptisch-Tag nach dem Erfolgserlebnis gestaltete sich gemächlich. Wir sollten heute die Seite 34 des Judas-Evangeliums lesen. Meine Kommilitonin und ich wurden - wie immer zu Anfang jeder Stunde - eingeladen, uns doch statt in die letzte in die erste Reihe zu setzen. Ja, ich geb's zu: Ich benehme mich manchmal wie ein richtiger Student. ;-) Ich sitze in der letzten Reihe, und wenn ich neben meiner befreundeten Kommilitonin sitze, quatschen wir unentwegt, weil uns ständig Unsinn im Kopf rumschwirrt. Nun, nicht so ganz: Ihr schwirrt nicht der Unsinn im Kopf rum, sondern mir. Schließlich habe ich eine rege Phantasie, wenn es um zu übersetzende Geschichten geht. Und das Judas-Evangelium ist geradezu prädestiniert für interessante, aber auch lustige Gedanken. :-)

Heute habe wir uns aber eher um etwas Sorgen gemacht: Wir kamen nämlich offensichtlich sehr schnell voran, weil so gut wie alle diesmal vorbereitet waren. Tja, zu schnell für unseren Geschmack, schließlich hatten wir nur anderthalb Kolumnen vorbereitet... Das liegt nicht daran, daß die Sprache zu schwer ist - zumindest bisher empfinde ich sie als recht angenehm - im Gegensatz zu Mittelägyptisch, was ich 1996/97 gelernt hatte (heute würde ich es vielleicht als einfacher ansehen, da ich natürlich älter geworden bin und eine andere Sicht auf viele Dinge habe). Die geringe Vorbereitung hängt eher damit zusammen, daß man sich in den Lexika irgendwie dumm und dappig sucht. Ein Latein-Lehrer von mir sagte einmal auf die Frage eines Schülers hin, ob man in der Klausur ein Wörterbuch benutzen dürfe: "Dazu müßte man doch erst das Alphabet können." Ähm, ja, ich geb's zu, ich kann mir auch nie wirklich merken, in welcher Reihenfolge die demotischen Zusatzbuchstaben im Koptischen stehen. Also betreibe ich meist fröhliches Blättern, zumal die Reihenfolge nur nach Konsonanten geht (wie bei semitischer Konsonantenschrift), d.h. die Vokale, die zwischen diesen Konsonanten im Wort stehen, werden in der Reihenfolge außer bei gleicher Konsonantenfolge nicht berücksichtigt. Zum Beispiel gilt die Kombination "ou" als Konsonant und ist nach Tau im Lexikon zu finden (dort, wo im Griechischen Ypsilon steht, was durchaus "ou" ersetzen kann). Außerdem ist die Kombination "ei" nicht unter Epsilon zu finden, sondern unter "i" (wie man "ei" eben ausspricht, was unter die Bezeichnung "Iotazismus" fällt), was doch sehr irritierend sein kann.

Somit dauert es eine ganze Weile, bis man die Vokabeln aus dem Lexikon rausgefischt hat. Und das ist dann auch der Grund, warum die Vorbereitung etwas länger dauert. Dann kommen noch Irritationen hinzu wie z.B. das Wort "partos". Klingt Griechisch. Ja, es ist auch Griechisch, aber nicht unter dem griehischen Buchstaben "p" zu finden, denn "p" ist der koptische Artikel, so daß das Wort "artos" heißt, was schlicht "Brot" bedeutet. Da fällt es einem plötzlich wie Schuppen aus den Haaren.

Zurück zu den Sorgen, daß wir zu schnell vorankommen sollten: Wir hatten also nur anderthalb Kolumnen vorbereitet, kamen aber augenscheinlich viel schneller voran als gedacht. Was nun? Da kam ich auf eine gute Idee: Fragen stellen! Das würde uns etwas Zeit verschaffen. Und zu fast jedem Satz hatte ich eine nette Frage, die jeweils sogar ganz intelligent war, also kein Unsinn. So gewannen wir Zeit, als wir Zeile für Zeile lasen, wie Jesus über das Verhalten seiner Jünger lacht, die sich in Frömmigkeit üben, ihn aber trotz ihres Willens nicht als Sohn Gottes erkennen konnten (auch wenn sie behaupteten, sie wüßten, daß er es sei). Jesus stellte die Jünger sogar als unwissendes "Geschlecht der Menschen" hin, die ihn niemals wirklich kennen würden. Als die Jünger ihm in ihren Herzen dann zürnten, erriet Jesus sogar ihre Gedanken und hakte nach, warum dies so sei. Oje. Da müssen die armen Jünger doch einen gewaltigen Schreck bekommen haben, als sie merkten, daß ihr Meister Gedanken lesen konnte. Doch wie kann das sein, schließlich ward er ja explizit als Mensch und nicht als allwissender Gott auf die Erde geschickt worden?! Ein Rätsel, das wahrscheinlich nur ein Paradoxon oder eine Exegese des Wesens Jesu lösen könnte...

Als wir dann zum Ende der Kolumne angelangt waren, erklärte uns unser Dozent, nachdem er die Vorbereitung der Texte, die wir alle heute geliefert hatten, lobend erwähnt hatte, daß wir nun am Schluß der Kolumne angelangt seien und wir sowieso nicht vorgehabt hätten, mehr als eine Kolumne pro Stunde zu lesen... Tja, da hatten wir uns wohl ganz umsonst Sorgen gemacht. Umso besser, denn für nächste Stunde brauchen meine Kommilitonin und ich nur die zweite Hälfte der folgenden Kolumne vorzubereiten. :-)

nach oben



Dienstag, 23. Juni 2009

Okay. Heute ist der Tag, an dem wir die Ergebnisse unserer Klausur zurückbekommen haben...

Oh, ich freu' mich so!!!! *dumdidum* :-)))

Ja, ja, ich habe eine 1,0 in der Klausur geschafft!!! Oh, ist das schööööön!

Und da soll einer noch einmal sagen, daß Papyrologen kein Koptisch können... Nun, ich kann ja bisher auch nur das, was noch einfach ist. Bewährungsprobe werden dann die Papyri sein. Dennoch: Es ist ein guter Anfang. Außerdem haben wir heute mit der Lektüre angefangen: Das Judas-Evangelium! Und ich muß sagen, so schwierig ist es bislang nicht gewesen. Auch wenn nur einige Wörter abgetrennt ist, sind wir mittlerweile in guter Übung, daß wir die Präpositionen, Konverter, Artikel, etc. gut erkennen und voneinander trennen können.

Das Judas-Evangelium an sich ist eine spannende Sache. Natürlich mußte ich gleich die ketzerische Frage stellen, wann denn der gute Mann Zeit zum Schreiben gehabt hatte - irgendwie stellte ich mir doch unweigerlich vor, daß er von seinen dreißig Silberlingen Papyrus, einen Kalamos und Tinte gekauft haben könnte... ;-) Natürlich soll Judas das Evangelium nicht selbst geschrieben haben, sondern es wird Gnostikern zugeschrieben. Vielleicht heißt es deswegen "Das Evangelium des Judas" und nicht wie alle anderen Evangelien "Das Evangelium nach Matthäus / Markus / Lukas / Johannes"? Jedenfalls dürfte das alles eine sehr spannende Angelegenheit werden und auch eine gute Gelegenheit, sich mal bezüglich der Gnostiker weiter zu bilden.

Die koptische Sprache kann sich auch ganz merkwürdig ausdrücken. So heißt es im Evangelium an einer Stelle: "und sie (d.h. die Jünger Jesu) übten sich in Göttlichkeit". Das heißt natürlich nicht, daß sie nun übten, wie man ein Gott ist, sondern es muß verstanden werden als: "und sie diskutierten über die Göttlichkeit" (d.h. über Dinge, die Gott betrafen). Ja, eine merkwürdige Ausdrucksweise hat diese Sprache bisweilen.

Es macht also unheimlich viel Spaß, auch richtige Texte zu lesen - und noch mehr Spaß macht es, sie auch zu verstehen. ;-) Nur eines werde ich mir in Zukunft wirklich merken: "Wenn Du eine Vorbereitung des Unterrichts erwartest, schreib' es den Studenten als Hausaufgabe auf." (Mmmh, das könnte jetzt der Grundstein zu einem "Nützlichen Regelhandbuch des modernen Dozenten - Bachelor-Ausgabe" sein *g*)

Nachdem heute nur wenige die Texte für die Stunde vorbereitet hatten und unser Dozent leicht am Verzweifeln war, weil er das nicht erwartet hatte, fragte ich später eine Kommilitonin, was denn der Grund gewesen sein könnte, daß kaum jemand die Texte vorbereitet hatte. Eine äußerst verblüffende, wenn auch einfache Antwort erreichte mich: "Es stand auf unserem Zettel nicht als Hausaufgabe drauf." Äh, ah ja. Wir haben nämlich am Anfang des Semesters einen Syllabus bekommen, wo in einer Tabelle immer schön stand, was wir in der nächsten Stunde behandeln und welche Übungen zuhause dazu vorbereitet werden müssen. Und bei den Punkten "Lektüre des Judas-Evangelium" stand als "Übung" nichts, weil es ja ein fortlaufender Text ist und man den natürlich für die Lektüre vorbereiten muß. Das ist eigentlich selbstverständlich - dachte ich bisher jedenfalls. Nun, offensichtlich ist das Bachelor-System mittlerweile so verschult, daß man nur noch das tut, was an der Tafel oder im Syllabus steht. Man scheint mittlerweile auch nur noch die Literatur für ein Referat zu lesen, die der Dozent angibt - und selbst diese manchmal nicht. Man macht also nicht mehr als das, was auf dem Blatt als Vorgabe steht.

Ein anderes Beispiel: In meinem derzeitigen Kurs gibt es sehr gute Referate und gute Referate. Dies ist eine Einteilung, die nur durch das Bachelor-System möglich gemacht wurde: Die guten Referate sind die, die die Quelle, die ich am Anfang gebe, damit man eine kleine Starthilfe hat, gut erklären und darstellen. Die sehr guten Referate zeichnen sich hingegen dadurch aus, daß die Referenten zudem z.B. auch weitere Quellen hinzuziehen und nicht nur auf die eine zurückgreifen, die sie als Aufhänger für das Referat nutzen konnten. Da kam irgendwann plötzlich die Frage: "Und warum hat der Referent noch andere Papyri benutzt?" Ähm....

Aber dies ist ein Koptisch-Blog, nicht ein Blog, was alles in meinem Unterricht passiert. Aber dies mußte mal erwähnt werden, weil es einem einfach die Sprache verschlägt, wenn man als Dozent da steht und im Prinzip neugierige und wißbegierige Studenten erwartet. Das verschulte System des Bachelor scheint da keinen Raum mehr für freies Denken zu lassen.

Zurück zum Thema. Alles in allem: Koptisch macht nach diesem kleinen Erfolg (nämlich der Klausur) doch noch mehr Spaß als es schon so machte. Ich hoffe nur, daß ich nächstes Semester Zeit für einen Lektürekurs finden werde. Und dann... Ja, dann werde ich hoffentlich auch bald den koptischen Papyri ihren Inhalt entlocken können. ;-)

nach oben



Dienstag, 16. Juni 2009

Heute war der große Tag: Wir haben unsere Modul-Abschluß-Klausur geschrieben. Meine Güte, hatte ich am Wochenende gelernt! Grammatik hauptsächlich, schließlich mußte ich die fehlende Zeit während des Semesters irgendwie wieder wett machen und letztlich den ganzen Stoff ordentlich nachholen. Auch wenn Sätze aus unseren Übungen vorkommen sollten, war es mir doch lieber, die Grammatik zu lernen und später anwenden zu können anstatt unsere Übungssätze auswendig zu wissen. Wer weiß, ob unser Dozent die Übungssätze nicht immer leicht verändern würde? ;-)

Natürlich habe ich dennoch gestern Abend noch einen Blick auf die Übungssätze geworfen und einige auch noch einmal übersetzt, damit ich mich sicherer fühlte, was die Anwendung der Grammatik betraf. Nun, die Grammatik ist im Prinzip nicht allzu kompliziert, wären da nicht die vielen Epsila und Nys... Ein einfaches "e" kann so viele verschiedene Bedeutungen haben, sieben (7!), um genau zu sein! Und ein einfaches Ny sogar zwölf (12!)!!! Nein, ich zähle sie jetzt nicht auf. ;-)

Jedenfalls mußte ich das alles in den Kopf kriegen. Besonders die Sache mit der Transposition, die ich schon bei Mittelägyptisch nicht wirklich verstanden hatte ("daß Ra aufgeht, ist am Horizont" soll ein Satz sein? Warum kann man nicht gleich sagen "Ra geht am Horizont auf"?!). Im Koptischen dachte ich, daß ich mich langsam dem Verständnis dieser Sache nähere, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob ich es nun wirklich verstanden habe, oder ob es nur ein Pseudo-Verstehen ist - der guten Aura unseres Dozenten geschuldet, die wirklich existieren soll, wie mir versichert wurde (man versteht Sprachen angeblich viel besser, wenn er in der Nähe ist) - und ich am Ende doch alle transponierten Sätze falsch übersetzt habe.

Das alles wird sich nächste Woche zeigen, wenn wir die Klausur zurückbekommen. Alles in allem ist mein Gefühl nicht allzu schlecht. Und wie gesagt: Sollte ich nicht aus irgendeinem unerfindlichen Grund kompletten Mist gebaut haben, dürfte es ganz gut aussehn...

nach oben



Freitag, 12. Juni 2009

Lang ist's her, seit ich vom Koptisch-Unterricht berichtet habe. Nein, ich habe es nicht aufgegeben, nur so viel zu tun in letzter Zeit, daß ich einfach nicht mehr zum Berichten gekommen bin.

In Koptisch sind wir nunmehr mit der Grammatik durch. Im Sommersemester haben wir dabei das Übersetzen von Haupt- und Nebensätzen gelernt. Und durch den chronischen Zeitmangel (bedingt durch Job, Unterricht und diversen beruflichen Projekten) wurde es für mich persönlich doch recht schwierig dem Ganzen zu folgen. Meist wurden die Hausaufgaben meinerseits "intuitiv" fertiggestellt, d.h. ich schaute mir nicht die Grammatik selbst an, sondern die Beispiele dazu und übersetzte analog dazu meine Übungssätze.

Das ist zwar nicht Sinn und Zweck des Unterrichts gewesen, doch muß ich sagen, daß es relativ gut ging. Zumindest bin ich bei den Hausaufgaben damit gut durch gekommen.

Lediglich beim kleinen Zwischentest machte sich der Zeitmangel, was das Lernen betrifft, ziemlich deutlich bemerkbar, indem ich weder konzentriert dabei war noch alle Aufgaben richtig zu lösen vermochte. Zu meiner (wirklich kläglichen!) Verteidigung kann ich aber sagen, daß in drei von fünf Aufgaben immer dieselbe grammatische Konstruktion abgefragt wurde - die ich schon im Unterricht irgendwie nicht wirklich verstanden hatte. Dafür hatte ich als eine der wenigen, die am Test teilnahmen, den Komparativ richtig erkannt und übersetzt, was das kleine Desaster etwas abmilderte. Ein Glück, daß es keine Noten darauf gab!

Dieses Wochenende bin ich allerdings fleißig am Lernen und Nachholen, denn am nächsten Dienstag wird die große Klausur geschrieben, bevor wir mit der Lektüre des Judasevangeliums anfangen. Oje! Hoffentlich kriege ich den Stoff doch noch in den Kopf! Ja, auch in meinem Alter und meiner Position als Dozent macht man sich noch Sorgen um so Kleinigkeiten wie eine Klausur - auch wenn man keinen Schein braucht. Blamieren will man sich ja doch nicht.

Na, es kommt wie es eben kommt. Immerhin haben wir letzte Stunde unseren ersten richtigen Text gelesen: Ein Ostrakon der Sammlung des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig mit Weisheitssprüchen. Einer dieser Sprüche lautet:

"Wahrlich, würde der Mensch die guten Dinge kennen, die ihm verborgen sind, er brächte keine zwei Worte bis zum Abend hervor."

Da hoffe ich doch, daß ich einige gute Dinge am Dienstag kenne und dennoch nicht sprachlos vor dem Blatt sitze (wenn eine solche verquere Interpretation des Satzes an dieser Stelle erlaubt sei)...

nach oben



Valid XHTML 1.0 Transitional Valid XHTML 1.0