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XAIPETE!

Alltags-"Blog": Dezember 2008

Alltag:
22. Dezember

Koptisch:
02. Dezember 22. Dezember



Alltag

Montag, den 22. Dezember 2008

Zum Jahresabschluß machte ich eine weitere nette kleine Entdeckung unter unseren Papyri: P.Lips.Inv. 1304 ist ein relativ großes Fragment von 20 Zeilen des Werkes "Telephos" von Euripides, das bislang in nur wenigen Fragmenten erhalten ist. Identifiziert wird es durch die Erwähnung von Telephos selbst, Mysien sowie durch die identische Buchstaben- und Zeilenfolge wie in der Parallele P.Oxy. XXVII 2460 Fr. 33.

Frohe Weihnachten!

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Koptisch

Im Wintersemester 2008/09 habe ich mit Koptisch angefangen. Der Unterricht findet im Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig statt. Da es eine gewissen Menge an koptischen Papyri gibt (und davon haben wir auch eine gewisse Menge in der Papyrussammlung), dachte ich, daß es nicht schaden kann, darauf hin zu arbeiten, auch diese Schriftstücke eines Tages verstehen zu können. Diese Art "Blog" ist dazu da, in dieser Zeit meine Erfahrungen beim Koptisch-Lernen mitzuteilen.



Montag, 22. Dezember 2008

Auch wenn ich lange nicht berichtet habe: Koptisch macht mir immer noch Spaß. ;-) Es wird langsam nur komplizierter, aber dafür kommen im neuen Jahr auch richtige Sätze zum Übersetzen als Übung dran, nicht nur grammatische Formen.

Besondere Schwierigkeiten machte mir der Infinitiv in Funktion des Imperativs, den man natürlich auch wie einen Infinitiv übersetzen kann, wenn man die losgelösten Übungen betrachtet. Aber Infinitive - als Infinitive übersetzt - kommen in der Form anscheinend nicht wirklich in Texten vor, so daß es egal ist und man letztlich doch den Infinitiv als Imperativ übersetzen kann. Ist da jemand mitgekommen?

Wie dem auch sei: Ich denke, das wird schon, sobald wir richtige Sätze mit Kontext zu übersetzen haben werden. Wichtig ist nur, daß man weiß, daß der Infinitiv verschiedene Funktionen haben kann, u.a. eben auch die eines Imperativs. ;-)

Letzte Woche war Koptisch - die letzte Stunde in diesem Jahr - recht entspannend, brachte Dr. Richter doch Leckereien vom Weihnachtsmarkt mit, die wir alle sehr genießen durften. Da gab es eine Schüssel mit dem Hinweis-Schild "Koptisch I - Außen hart, innen süß". Die Nüsse waren in der Tat ein wenig zum Zähneausbeißen, daran konnte die leckere Füllung auch nicht viel ändern. Wie Koptisch eben: Hart, aber es funktioniert.

Auch die zweite Schüssel trug einen Hinweis, den ich gerade vergessen habe. Jaja, Alzheimer fängt früh an. Wie hieß er doch gleich mit Vornamen? Ach ja: Alois. Na, es gibt noch Hoffnung für mein Gedächtnis. Wahrscheinlich ist es so voll mit Koptisch gepackt, daß es sich an solche Dinge gar nicht mehr erinnern will. Aber superlecker waren die Dinger in der zweiten Schüssel ("Koptisch II") allemal!

Und die dritte Schüssel hatte den "Koptisch III - Vollendeter Genuß" als Titel. Auch hier - mmmmmh! Ja, Herr Richter weiß, wie er seine Studenten auf Koptisch bis zum bitteren (oder doch eher süßen?) Ende einschwört. ;-)

Ein wenig schade fand ich nur, daß ich selbst meinen eigenen Studenten keine Leckereien mitbringen konnte, weil wir schließlich in einem Lesesaal Unterricht haben, wo Getränke und Knabbereien logischerweise streng verboten sind.

Auch wenn es nicht zu Koptisch gehört, so muß ich an dieser Stelle auch noch folgendes loswerden: Wir hatten am Freitag in meiner "Einführung in die Papyrologie" Paläographie der Ptolemäerzeit durchgenommen. Mann, hatte ich einen Bammel davor, wie es sein würde, da doch niemand Griechisch konnte. Aber was geschah? Es waren zwar nur 6 Studenten anwesend - der Rest war schon in den Weihnachtsferien -, aber diese 6 Studenten verblüfften mich auf's angenehmste, indem sie die Papyri doch einfach so runterlasen, als ob sie seit Jahren Papyrologie betrieben! Ich war so richtig platt! Gut, ich hatte wohlweisliche Aktpräskripte rausgesucht, weil wir vorher diese bei den Datierungsübungen durchgenommen hatten. Aber sie saßen an Leipziger Originalen und lasen sie fast wie Profis! Der Tag war gerettet und ich grinste nur noch selig ob dieses Phänomens. ;-)

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Dienstag, 02. Dezember 2008

Letzte Woche war ein Test angesagt. Ich habe seit meiner Schulzeit nicht mehr so gelernt wie für diesen kleinen Test! Er war auch wirklich niedlich: Auf einem kleinen Blatt, das die (längliche) Hälfte eines DIN A5-Blattes ausmachte, gab es 15 grammatische Formen, die zu übersetzen oder zu ergänzen waren. Es ging um Determination, Genitiv und Attribut sowie Possessivartikel. Herr Richter wies dabei ausdrücklich darauf hin, daß diese kleinen Tests nicht kursieren sollten, damit er sich nicht jedes Semester etwas Neues ausdenken muß. ;-)

Heute bekamen wir also den Test zurück, und die meisten - inklusive mir - konnten sich über 0 Fehler freuen. An den kleinen Test war ein noch kleineres (eig. winziges) Blatt getackert, welches über die Anzahl der Fehler in Relation zu einer möglichen Benotung Auskunft gab: Bis 1 Fehler gab es eine 1,0, bis 2,5 Fehler eine 1,3 etc. Erstaunt war ich darüber, daß diese Skala doch tatsächlich bis zu 20 Fehlern ging, was "nicht bestanden" bedeuten würde, würde jemand es schaffen, 20 und mehr Fehler in einen Test mit 15 Formen zu bringen. Wie wäre so etwas möglich, frage ich mich?

Nein, das soll natürlich nicht überheblich klingen, aber 20 und mehr Fehler in so einem Mini-Test zu machen, das wäre doch eine außergewöhnliche Leistung! Man müßte den Dozenten fragen, ob so etwas auch vorkommt. Aber da ich selbst Dozent bin und auch schon einiges gesehen habe, wo ich mir sagte "Das kann doch einfach nicht sein, daß jemand - nun - so sorglos mit seiner Leistung umgeht", um es freundlich zu formulieren, würde ich mittlerweile direkt aus dem Bauch heraus sagen: "Ja, sowas ist durchaus möglich". Andererseits: Nicht jeder ist ein Sprachtalent, und wenn ich bedenke, daß einige Koptisch lernen müssen, obwohl sie diese Sprache nun wirklich nie brauchen werden und auch sonst dies alles nicht wirklich freiwillig machen, dann muß man alles ein wenig relativieren.

Der dies academicus, ein akademischer Feiertag an Universitäten, an dem der Lehrbetrieb ruht, machte sich auch in unserem Kurs bemerkbar. Immerhin konnten wir uns innerhalb der ersten Viertel Stunde von fünf auf acht Teilnehmer steigern! Aber es war eine nette familiäre Atmosphäre. Ach, wie vermisse ich diese kleinen Kurse, die ich in Trier so genossen habe! Nicht, daß die Ägyptologie hier in Leipzig größer wäre, aber alle anderen Kurse sind nunmal weitaus größer als in Trier, wo 12 Teilnehmer in der Papyrologie schon ein Rekord war. Daher habe ich den kleinen Kreis heute sehr genossen.

Kurzum: Es war heute wirklich nett, wir waren alle gut gelaunt, so daß alles sehr viel Spaß gemacht hat. Es wird langsam etwas komplizierter. Nachdem letztes Mal Präpositionen zu lernen war, und diese doppelt, weil es eine nominale und pronominale Form jeweils dazu gibt, hatten wir heute unsere ersten Begegnungen mit Verben und deren Infinitivformen. Sieben Klassen und einige unregelmäßige Verben. Ganz übersichtlich im Prinzip. Mal sehen, wie es in der Praxis aussehen wird. :-)

Die Hausaufgaben wurden leider nur ganz kurz besprochen. Wir durften nach Herzenslust nach Problemen, die uns begegnet waren, fragen. Das Dumme war nur, daß ich nur zur Hälfte diesmal die Hausaufgaben gemacht hatte, weil ich am Wochenende für den Job gearbeitet hatte statt Koptisch zu machen. Also konnte ich auch nicht überall schauen, wo es haperte. Ich habe aber gleich angeregt, da alles etwas viel war und auch so viele nicht da waren, daß unser Dozent vielleicht ein Lösungsblatt rumschickt für diese eine Hausaufgabe. ;-) Dasselbe habe auch ich mir für die Hausaufgaben meines Kurses diese Woche vorgenommen. Ich werde also demnächst berichten, ob Herr Richter so nett war und daran gedacht hat.

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