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XAIPETE!

Alltags-"Blog"

Hier finden Sie alles Mögliche, was zu meinem Alltag als Wissenschaftler dazugehört bzw. was ich als interessant genug einstufe, um davon zu berichten. Dazu gehören neue Entdeckungen bzgl. der Papyri, aber auch Dinge wie meine persönlichen Herausforderungen, z.B. Koptisch- und neuerdings auch das Demotisch-Lernen.



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Alltag

Freitag, den 12. Juni 2009

Momentan gibt es nichts Neues aus der Papyrologie zu berichten, da ich zur Zeit im SFB 586 tätig bin.

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Koptisch

Im Wintersemester 2008/09 habe ich mit Koptisch angefangen. Da es eine gewissen Menge an koptischen Papyri gibt (und davon haben wir auch eine gewisse Menge in der Papyrussammlung), dachte ich, daß es nicht schaden kann, darauf hin zu arbeiten, auch diese Schriftstücke eines Tages verstehen zu können. Diese Art "Blog" ist dazu da, in dieser Zeit meine Erfahrungen beim Koptisch-Lernen mitzuteilen.



Donnerstag, 08. Oktober 2009

Und es geht weiter...

Nein, natürlich nicht sofort und auf der Stelle. Eher so Dienstag in einer Woche. Da werde ich meinen ersten Lektürekurs in Koptisch besuchen. Es gab zwei Lektürekurse zur Auswahl: Einmal die Lektüre alchemistischer Texte und einmal die Lektüre von Pachtverträgen. Und ratet mal, was ich gewählt habe?

Wer jetzt an Alchemie gedacht hat, liegt leider falsch. Hätte ich wirklich gerne gemacht, doch 1. liegt der Kurs zeitlich auf meinem eigenen Unterricht und 2. werde ich auf den Ostraka, die ich ab Dezember entziffern werde (ja! Das neue Projekt ist bewilligt worden, und ich bleibe noch 2-3 Jahre in Leipzig. Jipiiieh!!!), wenn überhaupt, eher Pachtverträge als alchemistische Texte finden. Schade eigentlich, denn die Alchemie finde ich natürlich auch sehr spannend. Aber in diesem Fall geht der Nutzen vor. Wenisgtens kann ich dann die Pachtverträge auch mal aus koptischer Sicht betrachten, nicht immer aus griechischer Sicht (ja, es gibt genug griechische Pachtverträge auf Papyrus überliefert).

Jedenfalls werden wir beim selben Dozenten Unterricht haben wie letztes Semester, was ja viel Spaß gemacht hat. Nur meine Koptisch-Kenntnisse sollte ich vorher ein wenig auffrischen, denn bekanntlich übt man es doch nicht in den Semesterferien, weil soviel anderes anliegt. Bin also schon sehr gespannt, was daraus wird.

Bis zum 20. Oktober also!

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Demotisch

Im Wintersemester 2009/2010 fange ich mit Demotisch an. Da es auch eine gewissen Menge an demotischen Papyri und Ostraka gibt (und davon haben wir auch eine gewisse Menge in der Papyrussammlung), dachte ich auch hier, daß es nicht schaden kann, darauf hin zu arbeiten, auch diese Schriftstücke eines Tages verstehen zu können - auch wenn das sehr, sehr, sehr viel Übung und Erfahrung erfordert. In dieser Zeit will ich auch wie beim Koptisch-Lernen meine Erfahrungen beim Demotisch-Lernen mitteilen. Außerdem gibt es mir einen Anreiz, am Ball zu bleiben, wenn ich das Gefühl habe, daß jemand meine Bemühungen verfolgt. ;-)



Donnerstag, 08. Oktober 2009

Und schon wieder eine Sprache.

So langsam wird's sogar mir etwas unübersichtlich. Gestern noch wurde ich gefragt, wieviele Sprachen ich bisher gelernt habe. Nun, ich mußte überlegen und an den Fingern abzählen (wenigstens gehen mir die Finger noch nicht aus, aber es wurde schon recht knapp: Bei der nächsten Sprache wird's allerdings problematisch *g*). Wäre ich Altertumswissenschaftler geworden, wenn ich gewußt hätte, daß ich mein Leben lang immer wieder irgendeine Sprache lernen würde? Das ist die Erweiterung einer Frage, die ich mir schon im 1. Semester stellte: Hätte ich das alles studiert, wenn ich Altgriechisch hätte nachholen müssen? Ich zweifelte, lange Zeit. Und die gestrige Frage gab mir die Antwort: Definitiv JA!

Sprachen sind für mich ein Mittel zum Zweck (die Philologen würden mich wahrscheinlich für diesen Satz lynchen): Man kommuniziert in erster Linie damit. Aber man kann damit auch - wie in meinem Falle - in längst versunkene Welten eintauchen und die Antike wieder zum Leben erwecken, indem man längst vergessen geglaubte Menschen durch ihre Briefe, Anträge, Steuererklärungen, Einkaufslisten etc. wieder auferstehen läßt. Auch das ist eine Art der Unsterblichkeit, die man mit elektronischem Geschreibsel womöglich nie erreichen wird, weil dies kurzlebiger ist als Papyrus (und einige andere Beschreibstoffe).

Und so entschloß ich mich, einen Demotisch-Kurs zu besuchen. Dieser fängt schon nächste Woche Donnerstag an und wird von einer Freundin und Kollegin unterrichtet. Das wird interessant, hatte ich doch noch nie bei einer Freundin Unterricht. Ob sich das viele Dozenten trauen würden? Als Dozent unter Studenten, die man womöglich selbst auch unterrichtet, bei einer Freundin Unterricht zu haben? Ich wage es ein wenig zu bezweifeln. Es wird also ein doppelter Druck sein, der dann auf mir lastet - schließlich will ich mich bei keiner Seite lächerlich machen. ;-)

Es wird also ein kleines Abenteuer und eine interessante Erfahrung werden. Und ich bin - wie immer - gespannt drauf. Bis dahin allen eine schöne Woche!

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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Heute gab's meine erste Demotisch-Stunde. Demotisch. Die "Volkssprache" der Ägypter zwischen dem 7. Jh. v. Chr. bis zum 4./5. Jh. n. Chr.

Wir sind sechs Leute in Demotisch, plus unsere Dozentin. Es sind alles Magister-Studenten. Leider habe ich bisher keine Namen aufschnappen können, geschweige denn mit ihnen einfach kurz reden können. Aufgrund der Tatsache, daß ich mit der Dozentin befreundet bin und als "Dr. Quenouille" von ihr vorgestellt wurde, trauten sie sich wohl auch nicht, mich anzusprechen. Und es ergab sich auch nicht wirklich eine Gelegenheit zum Plaudern, denn sie waren alle in ihre kleinen Gespräche vertieft, bevor der Unterricht losging (anscheinend kennen sie sich alle untereinander). Schade. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. :-)

In der ersten Stunde haben wir ein wenig was über die Geschichte der Erforschung des Demotischen gelernt: wie Jean-François Champollion den Stein von Rosette, ein dreisprachiges Dekret aus der Zeit Ptolemaios V. Epiphanes (2. Jh. v. Chr.), entzifferte (1822) und wie verschiedene Ägyptologen des 19. Jhs. sich nebenbei in Fachzeitschriften bekriegten. ;-) Ja, sowas kommt auch vor. Leider.

Dann haben wir das Alphabet durchgenommen. Also, irgendwie sieht momentan noch alles wie Striche und Punkte aus, kurz: wie Fliegendreck. Aber angeblich kann man es lesen, und es soll auch einen Sinn dabei ergeben. *g*

Wir durften schonmal einen Vorgeschmack in Form von ein paar Schriftproben auf diversen Schriftträgern, die uns in Kopie gezeigt wurden, erhalten (die Technik funktionierte mal wieder nicht, so daß alles rumgegeben werden mußte, statt an die Wand projiziert wurde) von dem, was uns erwarten wird.

Und eine kleine Hausaufgabe haben wir auch schon bekommen, die aus einer Leseübung besteht. Leseübung? Eher Entzifferungsübung! So kommt es mir jedenfalls vor. Ich habe eben einen kleinen Blick mit Hilfe des Alphabets darauf geworfen, und irgendwie konnte ich die ersten zwei Buchstaben des ersten Namens entziffern. Dann habe ich alles erst einmal beiseite gelegt. Samstag, in meiner Lieblingseisdiele werde ich mir das in Ruhe mal anschauen. Aber einfach dürfte es nicht werden, wenn ich schon Champollions Handschrift, mit der er demotische Königsnamen aufgeschrieben hat, nicht auf Anhieb entziffern kann... Andererseits: Ich erwarte ehrlich gesagt auch keine Wunder, und jede Sprache braucht ihre Zeit, um gelernt zu werden. Also: Alles ruhig und gelassen angehen! Wie sagt doch der beste Chef der Welt? "In der Ruhe liegt die Kraft". Ich hoffe nur, daß ich nicht stundenlang in der ägyptologischen Bibliothek sitzen muß, um dieser Sprache Herr zu werden, denn diese Zeit habe ich bei einem 40-Stunden-Job nun leider nicht. Student müßte man nochmals sein! Smiley

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